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HannMünden EXPO 2000 Wasserspuren - Wasser sichtbar machen.

Das Konzept
Mitten in der historischen Altstadt soll die "gute Stube der Stadt" - die zentralen Stadtplätze - mit einer Umgestaltung im Rahmen der Expo 2000 ein neues Gesicht und hohe Erlebnis- und Aufenthaltsqualitäten erhalten. Hierbei wird das Thema Wasser - seit eh und je ein Thema der Stadt Hann. Münden und nun auch der Expo 2000 - die Hauptrolle spielen. Dem Wasser fällt eine wichtige Gestaltungsrolle auf diesen Plätzen zu , Wasserspuren sollen sichtbar werden und sich in neuen spielerischen und innovativen Formen und Anwendungen ausdrücken. Die drei umgestalteten innerstädtischen Plätze, eingerahmt von einem einzigartigen historischen Umfeld, können über die Expo 2000 hinaus ein sichtbares Zeichen für einen neuen Umgang mit dem Lebenselement Wasser für Bürger und Besucher setzen. Mehrere Künstler haben nun ein vielfältiges und gleichzeitig schlüssiges Gesamtkunstwerk, das sich über alle Plätze erstreckt, entwickelt und zu einem Entwurf ausgearbeitet. Durch An - und Abschwellen der einzelnen Objekte mit Wasser, Licht und Klang wird ein atmendes Gesamtobjekt in das Zentrum von HannMünden integriert.

Die am Gesamtkunstwerk beteiligten Künstler:
A.Bosshard
Atelier Dreiseitl
B*S*F U.Franke (Freiraumplanung)
D.Heisig
H.W.Kalkmann
J.Kalkmann
U.Westerfrölke
W.Rossdeutscher

Vom Metallatelier gefertigte Komponenten und deren Funktion:
Lichtstele

Wellenprojektion, Lichtobjekt, Lautsprecher, Mikrofon, Raumzeichen.
Im Sockel der Klang-Lichtstele, unterhalb der beiden Glasschwerter befindet sich ein Großteil der Technik. Neben den zwei Halogen-Metalldampflampen (je100 Watt), die für das Leuchten der Glasschwerter sorgen (Licht wird in die Stirnflächen der beiden Gläser eingespiegelt und so nach oben geleitet), findet man noch einen Lautsprecher (zwei Hochtöner sind zusätzlich oben im Umlenkspiegel integriert).
Funktionsprinzip Projektion:
Licht wird durch ein Optiksystem geleitet und über einen Umlenkspiegel auf die Wasseroberfläche geworfen. Durch Reflexion werden Wellen auf der gegenüberliegenden Fassade abgebildet. Das Herz der Projektion bildet eine 570 Watt Halogenentladungslampe (die über ein externes elektronisches Vorschaltgerät betrieben wird, welches sich im Technikraum des Rathauses befindet), in Verbindung eines Optiksystems (Projektionsobjektiv, welches justierbar und im Tubus oberhalb des Sockels untergebracht ist). Es sorgt dafür, dass das Licht nach Verlassen des Tubus gebündelt auf den Umlenkspiegel, Edelstahl hartverchromt und spiegelpoliert, fällt .Von dort strahlt das Licht auf die Wasseroberfläche und wird durch Reflexion auf die Rathauswand geworfen– Wellen werden abgebildet –Zwei Lüfter im Techniksockel sorgen für die Kühlung der drei Lampen. Ein Wärmefühler schaltet die Anlage im Falle eines Hitzestaus ab.

Wellengeber
Objekte aus Bronze zur Beunruhigung der Wasseroberfläche
Im Zentrum des Bronzedreiecks befindet sich eine dreieckige Titanplatte, welche elektroakustisch zum Schwingen gebracht wird. Das dazugehörige Mikro befindet sich in der Lichtstele. Die Wellenbewegungen werden von dem Lichtstrahl der Lichtstele auf die Rathauswand projiziert. Der runde und der 4eckige Wellenteller sind weich gelagert & können begangen werden. Die Wellen entstehen durch Hüpfen und Gewichtsverlagerung.

Überlaufkante
Wellenförmiges Band
Diese ist genau ins Wasser gelegt und schließt als geschwungene Überlaufkante die Wasserfläche ab.

Hannoversch-Münden in einem neuen Licht
Fachartikel von Peter Fibich Garten + Landschaft 2/2001
Ein Kunst-, Klang- und Lichtkonzept belebt die Fachwerkstadt Hann-Münden, die nun dank integrierter Planung auch des Nachts Attraktionen bietet.
Die Fachwerkstadt Hannoversch-Münden verdankt einem weisen Ratsbeschluss eine bemerkenswerte Renaissance. Busse und Autos verschwanden von Straßen und Plätzen um Rathaus und Kirche. Das Vorhaben der Innenstadt-Neugestaltung mündete in eine kooperative Planung, die Landschaftsarchitekten, bildende Künstler, Moderatoren und nicht zuletzt Bürger der Stadt über Monate kommunizieren ließ. Diese beispielhafte Planung ist in einem Buch nachzulesen. Die Resultate sind zu besichtigen. “Hoch - Fläche - Tief” heißt das so simple wie sensibel aus der Topographie gelesene Motiv, das die Schweriner Landschaftsarchitekten Bendfeldt-Schröder-Franke der Platzfolge gaben. Mit ruhigen Oberflächen aus Sandstein und Granit schufen sie der architektonischen Vielfalt, der Kreativität der Künstler wie der zukünftigen Aktivität der Bürger einen unaufgeregten Rahmen. Das Wagnis Sandsteinpflaster einzusetzen, wurde schon kurz nach dem Bau mit einer Patina belohnt, die mit der historischen Kulisse harmoniert und so den Eindruck einer herausgeputzten Stube gar nicht erst entstehen lässt. “Hoch - Fläche - Tief” wurde gleichsam zum Thema der künstlerischen Interventionen, die nicht als isolierte “Kunstobjekte” im herkömmlichen Sinn zu sehen sind. Sie gehören zusammen, folgen einer gemeinsamen Partitur. Deren Herzstück befindet sich im Bauch des Rathauses in Form einer Steuerzentrale. Der Züricher Klangkünstler Andres Bosshard hat ein Szenario entworfen, das alle Objekte vernetzt und in einen sinnlich erfahrbaren Rahmen bringt: Worte bewegen Elemente, heißt das Motiv. Besucher können über Ihre Stimme auf die Wasserspiele Einfluss nehmen, sogar über das Mobiltelefon. Die Geräusche des Wassers wiederum werden akustisch verstärkt, tönen aus Klanggullis und Klang-Licht-Stelen.
Das Wasser, dem die Stadt am Zusammenfluss von Fulda und Werra nicht nur geographisch eng verbunden ist, wurde zum tragenden Element der Installationen. “Wasserspuren - Wasser sichtbar machen” war das Motto des Vorhabens, das zur Expo 2000 als Korrespondenzprojekt angenommen wurde. Das verwendete Wasser stammt fast ausnahmslos von den Niederschlägen auf Kirch- und Rathausdach, in Filterschächten gereinigt und in Umwälzzisternen bereitgehalten.
Im “Hoch” des Kirchplatzes eröffnet der Fächerbrunnen mit Wassersäule den Reigen. Daneben startet mit der Serie “Speier”, was fließend und plätschernd und zischend schließlich zu “Bassplatte” am Rathausplatz oder sieht man den größeren Zusammenhang - zu den Flüssen Werra, Fulda und Weser hinunter will. Die Speier der Gruppe Kaltmann Kontakt-Kunst, wellenförmige Syenite mit eingelassener Edelstahlstele, sprühen und nebeln, auch bei Nacht: “ihm wurde extra Licht gemacht.” Der blaugrüne Lichtstrahl wird vom Wassernebel umhüllt, diffus geteilt und emporgetragen. Ein zweiter Lichtstrahl empfängt den Wasserstrahl in dem schmalen Becken, das jedem Speier vorgelagert ist.
Höhepunkt der nächtlichen Illumination ist zweifellos die “Szene” zwischen Kirche und Rathaus. Der Platz, einst nicht mehr als ein Zwischenraum dem das Rathaus den Rücken kehrte, wirkt in der Tat szenisch: Hier trägt sich bei guten Wetter zu, was einer Fläche zum Platz gereicht. Der geneigte, in vier Ebenen gestaffelte Wasserteppich nämlich wird bis in die Nacht von Akteuren bespielt und von Komparsen betrachtet. Der anfängliche Plan des Ateliers Dreiseitl den Raum als richtiges Freilufttheater zu nutzen, wird so ganz beiläufig Realität.
Wie in den übrigen Installationen ging es darum, vom herkömmlichen “Wasserspiel” Abstand zu nehmen und die Grenzbereiche von Wasser, Klang und Licht zu betreten. Der Wasserteppich, ein dünner Film, kann mit “Wellentellern” in Bewegung gebracht werden. Ein via Leitzentrale gesteuerter “Shaker” setzt daneben zarte Impulse. Wellenbrecher stören und überlagern die Interferenzen. Lichtstelen strahlen das Wasser an; das Licht wird schließlich von der Fläche reflektiert und schickt Wellenbilder über die Rathauswand.
Was sich so einfach liest, ist Präzisionsarbeit aus dem Atelier Dreiseitl, getestet in aufwendigen Versuchen im Maßstab eins zu eins. Die Stelen sind Stahl-Glas-Konstruktionen, deren weißer Lichtstrahl im Sockel erzeugt, von den transluszenten Glasflügeln gestreut und von dominanten Reflektoren nach unten geworfen wird. Die Struktur der Glasummantelung zitiert wiederrum Wellenmotive.
Die übrige Beleuchtung der Straßen und Plätze ordnet sich dem historischen Ambiente unter, ohne historisierend zu sein. Die zweiarmigen Leuchten werfen warmes Licht, um im Zusammenspiel mit der matten Pflasterfläche die Kunstobjekte umso deutlicher hervortreten zu lassen. Diese sind Interventionen im besten Wortsinn, die in der lauschigen Altstadtatmosphäre irritieren und auf sich aufmerksam machen ohne zu stören.

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Fakten

Zuständigkeit:
Metallatelier David Fuchs
Beteiligte Künstler:
A. Bosshard
Atelier Dreiseitl
B*S*F U.Franke (Freiraumplanung)
D.Heisig
H.W.Kalkmann
J.Kalkmann
U.Westerfrölke
W.Rossdeutscher
Bauherr:
Stadt Hann. Münden
Realisation Lichtstehlen, Wellenteller
Metallatelier